Zugegeben, als ich das erste Mal von Anti-Nährstoffen hörte dachte ich: „Klingt ja wie ein Haufen Schwachsinn.“, doch natürlich musste ich das Thema sofort mal recherchieren. Siehe da, es ist tatsächlich kein Schwachsinn sondern Realität.

Wehrhaft

Pflanzen und Tiere existieren nicht um uns als Nahrung zu dienen. Pflanzen und Tiere existieren um das selbe zu tun wie alle anderen Lebewesen, überleben und reproduzieren, der Fortbestand der Spezies.

Tiere haben hier allerdings einen entscheidenden Vorteil, sie können sich aktiv wehren, also weglaufen, kratzen, beißen, etc. Einige benutzen auch chemische Abwehr, wie etwa Gift oder Gestank. Mein Favorit hier ist der Bombardierkäfer.

Pflanzen hingegen können nicht weglaufen oder ausweichen. Es gibt natürlich durchaus Pflanzen die etwa Stacheln besitzen, doch die meisten Pflanzen müssen auf die Chemiekeule setzen. Insbesondere die Samen der Pflanze sind hier oft voll mit Anti-Nährstoffen, also eben auch Bohnen, Weizen & Getreide, Reis (insbesondere brauner Reis), Nüsse, Chia-Samen, und viele weitere.

Anti-Nährstoffe

Anti-Nährstoffe sind eine Gruppe von Chemikalien die im Körper die Nährstoffaufnahme hemmen. Sie sind oft nicht akut giftig, sollten aber potentielle Angreifer davon abhalten die Pflanze zu essen. Wenn keine Nährstoffe aus der Pflanze gewonnen werden können, gibt es auch keinen Grund sie zu essen. Auf Dauer können diese Substanzen aber dennoch zu erheblichen Problemen führen, einerseits eben durch die reduzierte Nährstoffaufnahme, andererseits durch Reaktionen im Körper, und sie kommen in ausnahmslos allen Pflanzen vor.

Die Wirkung

Hier eine „kleine“ Liste der weitreichenden Wirkungen der verschiedenen Anti-Nährstoffe und wo sie vorkommen. Es handelt sich hierbei nicht um eine Vollständige Liste, aber gibt einen guten Überblick.

NameVorkommenWirkung
PhytinsäureSamen sowie daraus hergestellte Mehle (insbesondere Vollkorn), Nüsse, brauner Reis, Tofu, Linsen, Flax, Soja, AvocadoVerhindert Aufnahme von Kalzium, Magnesium, Eisen, Kupfer & Zink
Peptidasen Hemmer (Trypsin, Pepsin)Samen, Soja, HülsenfrüchteVerhindert Aufnahme von Proteinen
Oxalsäure (Oxalates)Samen, Nüsse, Soja, Spinat, Schokolade, Schwarztee, Vitamin C ÜberschussVerhindert Aufnahme von Calcium

Daraus resultierendes Kalziumoxalat verursacht Nierensteine
SenfölglycosideSenf, Kren, WeißkohlVerhindert Aufnahme von Iod (Schilddrüse)
BallaststoffeAlle PflanzenfasernEin Überschuss führt dazu, dass die Nahrung zu schnell durch den Darm wandert
Flavonoide (Tannin)Tee, Schokolade, Wein, Kaffee, EssigVerhindert Aufnahme von Eisen & Zinc
GoitrogeneSoja, Erdnüsse, Gemüse der Familie Cruciferae (Grünkohl, Kresse, Pak Choi, Rosenkohl,…)Verhindert Aufnahme von Iod sowie Bildung von organischen Iodverbindungen (Schilddrüse)
GlutenWeizen, Roggen, Gerste (sowei deren Mehle)Kann zu einer unglaublichen Anzahl von Erkrankungen führen, auch wenn keine Zöliakie vorliegt. Genug um drei lange Wikipedia-Artikel zu füllen.
Gluten-related disorders
Gluten-sensitive enteropathie-associated conditions
Non-celiac gluten sensitivity
PhytoöstrogeneSoja, Tempeh, Flax, Beans, Sesam, Linsen, Minze, Lakritze, Hafer, Bier, Äpfel, Karotten, Anis, Ginseng, SpinatEndokrine Disruptoren, Hormonelle Störungen
LektineBohnen und andere Hülsenfrüchte, Rohes EiweißEnzymhemmer, stören diverse Prozesse der Verdauung

Reduktion von Anti-Nährstoffen

Anti-Nährstoffe können durch Zubereitungsprozesse wie Keimung, Fermentierung, Kochen und Mälzen verringert werden, jedoch findet keine 100%-ige Verringerung statt. Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen, liegt vermutlich an den Lektinen.

Auch ein gewisser Trend zu Rohkost oder Grüne Smoothies (unter Veganern beliebt) führt zur vermehrten Aufnahme dieser Stoffe und den daraus resultierenden Problemen.

Fazit

Pflanzen wollen nicht gegessen werden. Da sie nicht weglaufen können wehren sie sich, indem sie sich als Nährstoffquelle so nutzlos wie möglich machen. Die Nährstoffe die sie beinhalten sind für den menschlichen Körper entweder schwer verwertbar oder durch Anti-Nährstoffe komplett wertlos.

Eine Ausnahme hier sind oft Früchte, die gezielt gegessen werden sollen um die Samen der Pflanze zu verteilen, wobei die Samen dennoch extra geschützt werden (oft mit Amygdalin / Cyanid) und absolut nicht konsumiert werden sollten. (Auch wenn die Menge an Cyanid bei weitem nicht tödlich ist)

Weiterführende Links

Anti-Nährstoffe – Wenn das Gemüse sich wehrt

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