Wissenschaftliche Studien werden gerne als “Beweis” verwendet, um seine Punkte zu untermauern, auch ich verlinke auf dieser Webseite auf viele Studien. Doch ich möchte auch darauf hinweisen, dass Studien oft nicht so wasserdicht sind wie allgemeinhin angenommen wird, eher im Gegenteil.

Relatives Risiko

Jeder kennt die reißerischen Überschriften in der Zeitung. “Fleisch erhöht das Darmkrebsrisiko um 20%!” Es handelt sich hierbei jedoch lediglich um ein relatives Risiko. Ein Beispiel aus der Realität:

50 Gramm verarbeitetes Fleisch zeigten eine Erhöhung des Darmkrebsrisikos um 18%. Das Darmkrebsrisiko beträgt 8.2% bis zum 85. Lebensjahr. Das bedeutet nicht, dass das Risiko auf 26.2% ansteigt, sondern nur auf 9.676%. Eine absolute Steigerung von 1.476%.

Zigaretten sind hier ein gutes Beispiel, denn das relative Lungenkrebsrisiko gegenüber Nichtrauchern beträgt 1500%-3000%, ein tatsächlich signifikanter Anstieg. Die 18% im Vergleich wirken lächerlich.

Fragebögen

Häufig werden in Epidemiologischen Studien Fragebögen zur Datenerhebung verwendet. Es wird also nicht gemessen oder kontrolliert, ob die Antworten wahrheitsgemäß beantwortet werden.

Menschen lügen

Menschen neigen dazu zu lügen, insbesondere wenn sie gefragt werden ob sie gesund essen. Tatsächlich zeigten sich etwa 58%-67% der Antworten auf die Frage “Was essen Sie?” als “physiologisch nicht plausibel“. Wenn die Leute gegessen hätten was sie angegeben haben, wären sie schlichtweg verhungert.

Menschen vergessen

Manchmal sind es auch keine Lügen, Menschen vergessen einfach. Nicht selten wissen Menschen kaum was sie zum Frühstück hatten. Oft gehen diese Fragebögen über Monate zurück, es ist nicht gerade einfach zu sagen wieviel Bananen man in den letzten 3 Monaten gegessen hat.

Menschen ändern sich

Vor allem wenn Studien sich über Jahre hinweg ziehen sind Veränderungen fast garantiert. Menschen beginnen zu rauchen, oder hören damit auf. Ändern die Ernährung, oder beginnen eine neue Sportart. Das sind Störfaktoren die das Ergebnis verzerren können.

Störfaktoren

Das Ziel von Studien ist es möglichst eine Variable zu isolieren. Doch das ist schwierig, denn Menschen sind Individuen und besitzen extrem viele Variablen die statistische Störfaktoren sind. Alter, Ernährung, Sport, Unfälle, Genetik, Vorerkrankungen und ungesunde Gewohnheiten sind die offensichtlichsten.

Standardisierung der Daten

Standardisierung (oder auch “adjustment“) wird versucht diese Störfaktoren, also zum Beispiel das Alter, aus den Daten herauszurechnen. Die gemessenen Rohdaten werden also mathematisch verändert. Das bedeutet jedoch man müsste wissen, welchen Einfluss diese Störfaktoren tatsächlich ausüben. Ich sehe hier eine eindeutige Fehlerquelle.

Hochrechnung

Quelle: Jessie Robinson

Hochrechnung, oder Extrapolation bedeutet dass Daten über den gemessenen Zeitraum hinaus, basierend auf dem Trend, geschätzt werden. Doch niemand kann garantieren dass der Trend anhält. Ich finde das Comic von Jessie Robinson zeigt das potentielle Problem deutlich auf, solche hochgerechneten Daten sind bestenfalls “gut geraten“, können aber auch komplett daneben liegen.

Experimente

Viele dieser Probleme könnten durch gut entworfene Experimente verhindert werden, also meist sogenannte randomisierte kontrollierte Studien.

Das bedeutet es werden Menschen in zwei große Gruppen aufgeteilt, die sich sehr ähnlich sind (im Idealfall Zwillinge). Die Testsubjekte werden nicht nur gefragt was sie essen, es wird kontrolliert was sie essen. Auch werden alle anderen Aspekte ihres Lebens kontrolliert um Störfaktoren zu minimieren.

Natürlich ist das ethisch schwierig vertretbar, in der Praxis werden immer Störfaktoren mitspielen. Wir können nicht einfach Menschen einsperren, kontrollieren und an ihnen experimentieren.

Tierstudien

Da das Experimentieren an Menschen ethisch kaum vertretbar ist, wird häufig auf Tierstudien zurückgegriffen. Tierstudien können zwar Anhaltspunkte liefern, in welche Richtung weiter geforscht werden sollte, aber für sich allein stehend sind sie ziemlich wertfrei.

Meist werden diese Studien an Ratten, Mäusen oder Kaninchen durchgeführt. Menschen sind aber keine Ratten, Menschen sind Menschen. Die Ergebnisse aus Tierstudien dürfen nicht einfach auf den Menschen übertragen werden.

So zeigte eine bereits 1908 durchgeführte Studie dass Kaninchen extrem auf gesättigte Fettsäuren und Cholesterin in der Diät reagieren. Die Blutkonzentration steigt dabei auf 2000 mg/dl oder mehr und die Kaninchen entwickeln Atherosklerose. Beim Menschen werden 200 mg/dl oder mehr bereits als erhöhter Cholesterinspiegel angesehen. Kaninchen sind jedoch reine Pflanzenfresser, es ist wohl kaum verwunderlich dass eine nicht artgerechte Ernährung sie krank machen würde.

In vitro

In vitro (lateinisch: Im Glas) sind Studien die außerhalb des Körpers, etwa in einer Petrischale, stattfinden. Dabei wird zum Beispiel eine Zellansammlung mit einer Substanz in Kontakt gebracht und der Effekt der Substanz auf die Zellen überprüft. Wie in den Tierstudien liefert dies zwar Anhaltspunkte, ist jedoch kaum auf den signifikant komplexeren lebenden Organismus (in vivo) übertragbar.

Korrelation bedeutet nicht Kausalität

Nahezu alle Studien in den Bereichen Ernährung und Gesundheit sind also keine experimentellen Studien. Das bedeutet sie liefern keine Beweise, sondern zeigen nur potentielle Zusammenhänge auf. Zusammenhänge sind niemals Beweise.

Bäume stehen in engen Zusammenhang mit Waldbränden. Bäume sind aber nicht die Ursache von Waldbränden.

Hier ein paar weitere lustige Korrelationen.

Conclusio einer Studie

Studien haben am Ende immer ein Fazit. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn das Fazit muss nicht zwingend mit den Ergebnissen der Studie übereinstimmen. Das Fazit ist lediglich die subjektive Interpretation des Autors, der perfekte Ort für Bias. Auch ich habe am Ende ein Fazit, und dieses Fazit ist ebenfalls Subjektiv!

(Mein) Fazit

Wie gerade erwähnt, mein Fazit hier ist subjektiv. Es ist einfach nur meine Meinung.

Relative Risiken, wenn man nicht weiß was das ist, klingen schnell mal nach signifikanten Ergebnissen. Zeitungen lieben sowas. Auch die Form der Datenerhebung zeigt erhebliche Probleme auf und Störfaktoren verzerren das Ergebnis weiter. Letzen Endes ist die Studie auch nicht dazu geeignete irgendetwas zu Beweisen, sondern zeigt bestenfalls eine Korrelation auf.

Experimentelle Studien in Form von in vitro Studien oder Tierstudien lassen sich nicht auf einen Menschen ummünzen.

Zum Thema Fleisch bedeutet das: Es gibt keine Studie die beweist, dass Fleisch schlecht ist. Ebenso gibt es keine Studie die beweist, dass Fleisch gut ist.

Weiterführende Links

Wissenschaftliche Studien – Tückische Ergebnisse

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